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Projektinformation

Während die Bedeutung des Weimarer Theaters für die Literatur- und Theaterwissenschaft wie für die deutsche Geistesgeschichte - zumal nach Abschluss des SFB 482 - von der Forschung umfassend untersucht ist, wurden aus der Erkenntnis, dass das Weimarer Theater im 19. Jahrhundert als Wirkungsstätte von Musikern mit europaweiter Strahlkraft (u.a. Johann Nepomuk Hummel, Franz Liszt und Richard Strauss) zu einer Spielstätte des Musiktheaters von Rang aufstieg, erst in Ansätzen die Konsequenzen gezogen. Für die wissenschaftliche Untersuchung dieser Entwicklung fehlten bislang die Grundlagen. Insbesondere sind grundsätzliche Fragen des Gesamtrepertoires und der Inszenierungs- und Aufführungspraxis dieser Bühne noch nicht erforscht. Die Theaterzettel des Weimarer Theaters sind hierfür eine zentrale Quelle. Sie liefern wichtige Hinweise auf die Werke und ihre Fassungen, auf Komponisten, Autoren, Übersetzer und Bearbeiter sowie auf die Künstlerpersönlichkeiten (SchauspielerInnen, SängerInnen, gastierende VirtuosInnen, TänzerInnen, Dirigenten usw.), die in Weimar gewirkt haben.

Dem Weimarer Theater kam seit Johann Wolfgang von Goethe zunehmend eine Bedeutung als Symbolort der deutschen Kultur zu, und es wurde vor allem im Nationalsozialismus und in der DDR als „Vorzeigebühne des Systems“ instrumentalisiert. Die Aufarbeitung des Zeitraums von 1969 bis 1990 ist für die kulturgeschichtliche Forschung, insbesondere mit Blick auf politische, musikhistorische und literaturgeschichtliche Aspekte, von höchstem Interesse. Dank der vorausschauenden Umsicht der Bibliothekare und Archivare des DNT Weimar ist der Theaterzettelbestand aus besagtem Zeitraum wie auch aus den vorhergehenden Zeiträumen in einer nahezu lückenlosen Geschlossenheit erhalten geblieben und darf daher – wohl nicht nur in der Deutschen Theaterlandschaft – Singularität beanspruchen. Der Bestand wurde nicht zuletzt deshalb dem Landesarchiv Thüringen - Hauptstaatsarchiv Weimar übergeben, wenngleich es sich bei den überwiegend gedruckten Dokumenten an sich eher um bibliothekarische Quellen handelt.

Datenbanken, die – wie die vorliegende, zu vervollständigende – komplette Theater-Repertoires auf der Grundlage der Theaterzettel dokumentieren, ermöglichen erstmals umfassendere Untersuchungen zur Programm- bzw. Repertoirepolitik. Die Weimarer Datenbank trennt nicht zwischen den verschiedenen Sparten, sondern erschließt das Gesamtrepertoire und ist insofern nicht nur eine unschätzbare Quelle für die Theaterwissenschaft, Literaturwissenschaft, Musikwissenschaft und die Tanztheaterforschung, sondern liefert auch wertvolle Informationen für kultur- und geschichtswissenschaftliche Fragestellungen.

Die Programmhefte des DNT sind insbesondere für die Zeit der DDR eine Quelle von kaum hoch genug einzuschätzendem wissenschaftlichen Informationswert:
  • In ihnen spiegeln sich die innenpolitischen Zielsetzungen der DDR wie auch die kulturpolitischen und sogar die politischen Auseinandersetzungen zwischen Ost und West.
  • Sie dokumentieren das besondere Engagement der DDR im Bereich Kinder- und Jugendtheater, dabei namentlich auch die zahlreichen Kinderopern: ein bisher wegen des Fehlens geeigneter Quellengrundlagen wissenschaftlich kaum bearbeitetes Phänomen.
  • Sie ermöglichen erstmals zusammenhängende Untersuchungen zu Konstanten und Wandel in der Kanonbildung theatralen und musiktheatralen Repertoires im Zeitalter der deutschen Teilung an einem „deutschen“ Symbolort par excellence.

Ziel des Projektes ist die Digitalisierung der aus dem Projektzeitraum überlieferten Theaterzettel, deren Erfassung und wissenschaftliche Aufbereitung sowie deren Online-Präsentation. Die Digitalisate werden dabei innerhalb einer eigens für das Projekt entwickelten Applikation präsentiert. Die im Rahmen des Digitalen Archivs der Thüringischen Staatsarchive bereitgestellten Projektmaterialien (Digitalisate und Metadaten) sind in übergreifende Informationssysteme und -verbünde integriert (DDB, Archivportal-D, EUROPEANA).

Im Rahmen des Projekts wurden insgesamt etwa 48 300 Theaterzettel bzw. Programmhefte zu Aufführungen des Weimarer Hoftheaters digitalisiert, archivisch erschlossen und für die Online-Präsentation im Rahmen des Digitalen Archivs der Thüringischen Staatsarchive umfangreich wissenschaftlich aufbereitet. Die Datenbank dokumentiert derzeit das Repertoire des Weimarer Hoftheaters von der Mitte des 18. Jahrhunderts über die Revolution von 1918 und seiner Umbenennung und künstlerischen Neuausrichtung als Deutsches Nationaltheater hinaus bis zur Spielzeit 1968/69.

Für die Zeit von der zweiten Hälfte des. 18. Jhd. bis 1818 konnten davon etwa 4 500 Theaterzettel vom dem aus der Zeit verwandten Teilprojektes C8 des SFB 482 "Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800" übernommen und in die Datenbank eingepflegt werden. Für den Projektzeitraum 1819-1969 wurden etwa 43 800 Theaterzettel und Programmhefte völlig neu bearbeitet.

Insgesamt wurden bisher 50 091 Aufführungs-Datensätze, 7 055 Werk-Datensätze und 5 706 Personen-Datensätze angelegt.

Die umfangreichen Inhalte der Programmhefte werden in den Metadaten der Theaterzetteldatensätze detailliert schriftlich erfasst, statt deren komplette Wiedergabe in digitalisierter Form zu wählen. Als Digitalisate werden nur die Besetzungslisten, vergleichbar mit ursprünglichen Theaterzetteln, präsentiert. Diese Form der Präsentation  ist notwendig und wichtig, da einerseits die Programmhefte theater- und kulturgeschichtlich, aber auch für die Frage der politischen Instrumentalisierung des Theaters unschätzbare Quellen sind, andererseits die Graphiken und Fotographien in den Programmen urheberrechtlich langfristigen Schutzfristen unterliegen. So bleibt die Stimmigkeit des Grundkonzepts des Projektes gewahrt, die Digitalisate der Theaterzettel online verfügbar zu machen, anderseits wird der Erkenntnis der nun zunehmenden Bedeutung der Programmhefte Rechnung getragen. Auf der Grundlage der Quellenangaben in den Metadaten ist die Recherche, Einsichtnahme oder auch die gezielte Bestellung von Arbeitskopien bzw. Digitalisaten zu wissenschaftlichen Zwecken leicht möglich.

In die Datenbank fließen zudem Erkenntnisse, die sich aus weiteren projektbezogenen Akten des im Landesarchiv Thüringen - Hauptstaatsarchiv Weimar aufbewahrten Bestandes „Generalintendanz des Deutschen Nationaltheaters und der Staatskapelle Weimar“ ergeben. Der Bestand beinhaltet neben den Theaterzetteln die bereits erwähnten Programmhefte, des weiteren Spielzeitübersichten zu Schauspiel- und Musiktheateraufführungen sowie zu Symphoniekonzerten und Tourneen der Staatskapelle. Darüber hinaus enthält er eine Fülle zusätzlicher Materialien, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Deutschen Nationaltheaters Weimar gesammelt wurden. Zu nennen sind hier u. a. die regelmäßig erscheinenden Theaternachrichten des DNT, Presseinformationen und Presserezensionen, Plakate, Werbezettel, Besetzungszettel, Aufführungsdokumentationen etc.

Durch die Auswertung der erhalten gebliebenen Theaterzettel, Theaterakten und der ergänzenden Materialien kann somit eine Tiefenerschließung erfolgen, die bislang singulär ist und durch die hervorragende, singuläre Quellensituation in Weimar ermöglicht wird. Somit hat es die Forschung wesentlich leichter, Auswertungen und Zusammenhänge herzustellen, was über den Besuch im Archiv (den „klassischen“ Weg) aufgrund der Streuung der Bestände und des bisweilen unsystematischen Überlieferungszustands vor Ort mit einem deutlich höheren Arbeitsaufwand verbunden wäre.

Die Theaterzettel werden hauptsächlich im Landesarchiv Thüringen - Hauptstaatsarchiv Weimar sowie in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar (HAAB) verwahrt und sind in digitaler Form im Rahmen von UrMEL zugänglich. In weiteren Einrichtungen verwahrte Streubestände wurden im Rahmen dieses Projekts ermittelt und entsprechend erfasst. Insgesamt sind aus dem Zeitraum 1782 bis 1790 knapp 200, aus dem Zeitraum von 1791 bis 1818 bereits über 4300 und aus dem Zeitraum von 1819 bis 1969 etwa 43.800 Theaterzettel bzw. Programmhefte zu Aufführungen des Theaters in verschiedenen Beständen u. a. des Landesarchiv Thüringen - Hauptstaatsarchiv Weimar und der HAAB vorhanden.

Wissenschaftlich erschlossen werden die Projektmaterialien durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Musikwissenschaft Weimar - Jena der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar. Der Aufbau einer datenbankbasierten Applikation für die Erschließung und Präsentation der digitalisierten Theaterzettel im Rahmen des Digitalen Archivs von UrMEL erfolgte durch die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) auf der Grundlage von MyCoRe und Typo3. Als Basis für die Erschließung der digitalisierten Theaterzettel dienten Rohdatensammlungen, welche im Rahmen verwandter Projekte (Teilprojekt C8 des SFBs 482; Verzeichnung des Musikarchivs des DNT Weimar, 18.-20. Jh.; Eigenleistung der Projektpartner) gewonnen und in die UrMEL-Applikation migriert wurden. In UrMEL eingebrachtes biographisches Datenmaterial wurde im Projektrahmen mit Hilfe der Personennamendatei (GND; vormals PND) angereichert, indem die verfügbaren Personennamen den entsprechenden Nummern der GND zugeordnet wurden. Für den Bereich des Musiktheaters wurde hierbei u. a. auf die Datenbank des Internationalen Quellenlexikons RISM zurückgegriffen.

Die Digitalisierung erfolgte nach Maßgabe der diesbezüglichen DFG-Praxisregeln. Sämtliche Digitalisate sind seitenbezogen über Uniform Resource Names (URN) erschlossen und auf der Basis von METS/MODS im DFG-Viewer betrachtbar. Die ThULB Jena stellt die dauerhafte Verfügbarkeit der im Projektrahmen gewonnenen Ergebnisse sicher.

Zudem wurden die in ihrer Erhaltung gefährdeten Theaterzettel im Verlauf des Projekts mit Unterstützung durch die Bundessicherungsverfilmungsstelle Weimar auf alterungsbeständigem Mikrofilm gesichert.
Deutsche Forschungsgemeinschaft Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar Friedrich Schiller Universität Jena Landesarchiv Thüringen - Hauptstaatsarchiv Weimar Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Herzogin Anna Amalia Bibliothek - Klassik Stiftung Weimar Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar